Nachhaltigkeit: was ist das genau?

Dem Begriff Nachhaltigkeit kann man nicht entkommen: Unternehmen, Politik, Wissenschaftler, Wirtschaft, Verkäufer, Nachbarn und Freunde – innerhalb der letzten 20 Jahre hat sich „Nachhaltigkeit“ fest in unserem Sprachgebrauch etabliert. Doch worüber reden die vielen Menschen eigentlich tatsächlich?

Die schlechte Nachricht: Meistens wissen sie es selbst nicht. „Nachhaltigkeit“ wird auch als Gummiwort bezeichnet. Das heißt, dass es eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen und Vorstellungen davon gibt, was der Begriff eigentlich bedeutet.

Vor 300 Jahren war das alles noch viel einfacher: Damals „erfand“ Hans Carl von Carlowitz den Begriff in Zusammenhang mit der Forstwirtschaft. Das Problem damals in Deutschland war, dass ein Großteil der Wälder durch Raubbau zerstört war. Von Carlowitz erkannte, dass es notwendig war, eine „beständige und nachhaltende Nutzung“ des Waldes zu etablieren, um die Bestände zu retten und genügend Feuer- und Bauholz für die Bevölkerung bereitzustellen. Nur durch dieses Umdenken konnte der deutsche Wald gerettet werden.

BEGRIFFSVERWIRRUNG SEIT DEM BEGINN DER 80ER

Bis in die 1980er Jahre war der Begriff allerdings noch nicht politisch besetzt, sondern hieß vor allem Dauerhaftigkeit. Doch schon kurz darauf begann die Verwirrung. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann eine weltweite umweltpolitische Debatte, die den Ausdruck teilweise deutlich erweiterte. In der Alltagssprache wird der Begriff häufig dafür genutzt, dass Produkte so hergestellt worden sind, dass sie die Umwelt in einem Ausmaß belasten, das sich nicht langfristig auswirkt. Im Gegenteil könnte ein Hersteller theoretische mehrere Jahrhunderte lang genau die gleichen Ressourcen nutzen, ohne sie durch die Produktion aufzubrauchen.

NACHHALTIGKEIT: DIE WICHTIGSTEN DEFINITIONEN

In Wirtschaft, Politik und Wissenschaft wird hingegen hauptsächlich mit zwei verschiedenen Modellen gearbeitet.

  1. Die starke Definition der Nachhaltigkeit

Diese zielt primär auf den ökologischen Aspekt ab und wird auch als Vorrangmodell bezeichnet. Befürworter gehen davon aus, dass nur die ökologische Nachhaltigkeit die Grundlage für ökonomische und soziale Nachhaltigkeit sein kann und deswegen einen besonderen Stellenwert haben muss.

  1. Das Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit

Ursprünglich von der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages entwickelt, gilt sie heute auch im Ausland als eine der wichtigsten Definitionen. Sie besteht aus drei Komponenten und geht davon aus, dass Nachhaltigkeit sich nicht nur auf ökologische, sondern auch auf ökonomische und soziale Aspekte bezieht. Kritiker wenden dagegen jedoch ein, dass der Begriff dadurch verwässert wird.

Hinzu kommen zahlreiche Definitionen, die auf die verschiedensten anderen Bereiche angewendet werden. Das macht es für Verbraucher allerdings schwierig. Der Begriff ist nicht geschützt und kann deswegen von jedem Unternehmen als Werbung genutzt werden. Dadurch, dass es so viele schwammige Definitionen gibt, ist es schwierig, dem zu widersprechen, auch wenn das Verhalten des Unternehmens dem offensichtlich nicht entspricht.

WIE ERKENNE ICH NACHHALTIGE PRODUKTE?

In Zeiten, in denen fast jedes größere Unternehmen mehr oder weniger Greenwashing betreibt, also seine Produktionsweise ungerechtfertigt als ökologisch oder nachhaltig bezeichnet, ist dies keine leichte Aufgabe. Zudem kann die Herstellung mancher Artikel wie beispielsweise Elektrogeräte heute nicht einmal annähernd als „nachhaltig“ bezeichnet werden. Verbraucher können sich, Verkäufern und Unternehmen jedoch folgende Fragen stellen:

  • Können die verwendeten Ressourcen grundsätzlich nachwachsen?
  • Falls ja: Werden sie durch nachhaltigen Anbau gewonnen?
  • Wie viele umweltschädliche Stoffe befinden sich im Produkt?
  • Werden Konfliktmineralien oder Ressourcen aus gefährdeten Ökosystemen wie dem Regenwald verwendet?
  • Weisen Siegel auf ökologische Produktion, Schadstofffreiheit und faire Arbeitsbedingungen hin?
  • Stammt das Produkt aus der Region?
  • Gibt es gegen den Hersteller Vorwürfe wegen Greenwashing?
  • Wird das Unternehmen von Initiativen empfohlen?
  • Gab es in der Vergangenheit Kritik wegen Umweltverschmutzung oder Kinderarbeit?
  • Wie lange halten die Produkte des Herstellers im Durchschnitt?

NACHHALTIGE PRODUKTE STRESSFREI FINDEN

Was Verbraucher immer tun können, ist die Länge des Produktzyklus so weit wie möglich zu erweitern. Die Rechnung dahinter ist sehr leicht: Je länger ein Produkt genutzt wird, umso länger dauert es, bis ein neues produziert wird, da der Bedarf immer noch gedeckt ist. Das bedeutet, dass keine Ressourcen für die Herstellung oder das Recycling genutzt werden müssen. Die Umwelt wird also zumindest erst einmal kein weiteres Mal belastet. Möglich ist dies neben Reparaturen vor allem mit Second-Hand und Gebrauchtwaren.

Um möglichst nachhaltig zu leben, ist es also sinnvoll, Gegenstände gebraucht zu kaufen und zu verkaufen. Wie der ursprüngliche Gegenstand produziert worden ist, ist dabei vollkommen gleichgültig. Wichtiger ist, den Verbrauch von neuen Ressourcen dadurch zu verhindern. Dabei gibt es jedoch auch wenige Ausnahmen. Zu alte Elektrogeräte fressen beispielsweise so viel Strom, dass es nachhaltiger sein kann, sie nach einer gewissen Zeit zu ersetzen.

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